Kassenarzt finden in Österreich: Wartezeiten & Kosten 2026

📅 23.06.2026 📁 Finanznachrichten
Kassenarzt finden in Österreich: Wartezeiten & Kosten 2026
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Wer in Österreich einen Kassenarzt sucht, kennt das Gefühl: Man ruft an, hört die Ansage „Wir nehmen keine neuen Patienten auf" – und das in der zweiten, dritten, fünften Ordination in Folge. Was früher eine Ausnahme war, ist im Jahr 2026 bittere Realität für Hunderttausende Menschen in ganz Österreich. In diesem Artikel erfahren Sie, warum die Suche nach einem freien Kassenarzt immer schwieriger wird, wie lange die Wartezeiten tatsächlich sind, was ein Wahlarzt kostet – und welche offiziellen Stellen und Portale Ihnen bei der Arztsuche helfen können.

Warum ist ein freier Kassenarzt in Österreich so schwer zu finden?

Die Ursachen für den Kassenarztmangel sind strukturell und seit Jahren bekannt. Obwohl Österreichs Bevölkerung in den letzten zehn Jahren um rund 10 Prozent gewachsen ist, blieb die Zahl der Kassenärzte im gleichen Zeitraum weitgehend stabil oder ist sogar leicht gesunken. Laut aktuellen Daten der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) gibt es bundesweit rund 8.000 bis 8.200 Kassenstellen – davon sind derzeit mehr als 300 Stellen unbesetzt, weil sich kein Arzt findet, der diese übernehmen möchte.

Ein wesentlicher Grund dafür ist die mangelnde Attraktivität der Kassenstellen. Die Österreichische Ärztekammer kritisiert seit Jahren, dass Jungärzte angesichts hoher administrativer Auflagen, umfangreicher Dokumentationspflichten und als zu niedrig empfundener Honorare lieber in den Wahlarztbereich wechseln oder ins Ausland gehen. Das Ergebnis: Jene Ärzte, die eine Kassenstelle haben, sind hoffnungslos überlastet – und schließen irgendwann den Aufnahmestopp für neue Patienten.

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Hinzu kommt eine Pensionierungswelle: Viele langjährige Kassenärzte, die in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen, finden keinen Nachfolger. Besonders betroffen sind ländliche Regionen in der Steiermark, in Kärnten und im Burgenland, aber auch in städtischen Randgebieten ist die Lage ernst.

Wie lange sind die Wartezeiten beim Kassenarzt wirklich? (Stand 2026)

Die Diskrepanz zwischen Kassen- und Wahlarzt ist im Jahr 2026 so groß wie nie zuvor. Aktuelle Erhebungen zeigen: Der Median der Wartezeit auf einen Kassenarzttermin liegt über alle Fachrichtungen hinweg bei rund 24 Tagen. Im Wahlarztbereich hingegen beträgt dieser Wert gerade einmal 2 Tage.

Besonders dramatisch ist die Situation in bestimmten Fachrichtungen. In der Inneren Medizin müssen Kassenpatienten im Schnitt bis zu 63 Tage auf einen Termin warten. In der Psychiatrie sind es rund 61 Tage – ein besonders beunruhigender Wert, da gerade bei psychischen Erkrankungen rasches Handeln entscheidend ist. In der Augenheilkunde liegt die durchschnittliche Wartezeit bei rund 52 Tagen, in der Urologie bei etwa 48 Tagen, in der Gynäkologie bei rund 46 Tagen und in der Neurologie bei etwa 42 Tagen.

Noch alarmierender ist ein weiteres Detail: Rund jede dritte Kassenpraxis in Österreich hat bereits einen generellen Aufnahmestopp für neue Patienten verhängt. In einzelnen Fachrichtungen wie Dermatologie oder Gynäkologie sind es sogar bis zu zwei von drei Praxen, die keine Neupatienten mehr aufnehmen.

So finden Sie noch freie Kassenärzte in Ihrer Stadt

Trotz der angespannten Lage gibt es offizielle Wege, um freie Kassenärzte zu finden. Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) bietet unter www.sozialversicherung.at eine offizielle Arztsuche an, über die Sie nach Fachrichtung, Ort und Postleitzahl filtern können. Dort sehen Sie auch, ob eine Ordination aktuell neue Patienten aufnimmt.

Auch die jeweiligen Ärztekammern der Bundesländer betreiben eigene Arztsuche-Datenbanken. Für Wien ist das die Ärztekammer Wien unter www.aekwien.at, für die Steiermark die Ärztekammer Steiermark unter www.aekstmk.at und so weiter. Diese Datenbanken sind häufig aktueller als bundesweite Verzeichnisse, da die Praxen ihre Daten direkt an die Kammer melden.

Ein weiteres kostenloses Portal ist das Gesundheitsportal des Bundesministeriums unter www.gesundheit.gv.at. Dort finden Sie nicht nur eine Arztsuche, sondern auch wertvolle Informationen zu Ihren Rechten als Patient sowie zu Primärversorgungseinheiten (PVE) – eine moderne Form der Gruppenpraxis, die künftig den Ärztemangel in Österreich lindern soll.

Darüber hinaus gibt es das privatbetriebene Portal www.docfinder.at, das über sehr umfangreiche Bewertungen und Informationen zu österreichischen Ärzten verfügt – sowohl Kassenärzten als auch Wahlärtzten. Dort können Sie häufig auch direkt online einen Termin anfragen.

Aufnahmestopp beim Kassenarzt – was können Sie tun?

Wenn Ihr bisheriger Kassenarzt in Pension geht oder einen Aufnahmestopp verhängt, haben Sie in Österreich mehrere Möglichkeiten. Als erste Anlaufstelle empfiehlt die Österreichische Gesundheitskasse, direkt die zuständige Bezirksstelle der ÖGK zu kontaktieren. Die ÖGK ist gesetzlich verpflichtet, Sie innerhalb einer zumutbaren Entfernung mit einem Kassenarzt zu versorgen – notfalls vermittelt sie Ihnen einen Termin bei einem Vertragsarzt.

Eine weitere Option sind die österreichischen Primärversorgungseinheiten (PVE), auch „Primärversorgungszentren" genannt. Diese modernen Gruppenpraxen kombinieren Allgemeinmedizin, Pflege und oft auch ergänzende Disziplinen wie Physiotherapie oder Psychologie unter einem Dach. Die ÖGK hat den Ausbau dieser Zentren als zentrales Ziel für den Zeitraum 2026 bis 2030 definiert und stellt dafür einen eigenen Gesundheitsreformfonds mit rund 500 Millionen Euro jährlich bereit.

In akuten Fällen, in denen kein Kassenarzt zeitnah erreichbar ist, können Sie sich auch an eine Ambulanz oder Notaufnahme eines öffentlichen Krankenhauses wenden. Das gilt selbstverständlich für medizinisch dringliche Situationen und sollte nicht als dauerhafter Ersatz für einen Hausarzt dienen.

Was kostet ein Wahlarzt in Österreich 2026?

Wer nicht monatelang auf einen Kassenarzttermin warten möchte, weicht häufig auf Wahlärzte aus. Der Vorteil: Wartezeiten von meist nur 1 bis 2 Tagen. Der Nachteil: Die Kosten müssen zunächst vollständig selbst vorgestreckt werden. Wahlarzt-Honorare sind in Österreich nicht gesetzlich geregelt – jeder Arzt legt seine Tarife selbst fest. Laut einem aktuellen Kostenreport 2026 liegen die durchschnittlichen Honorare für eine Erstordination je nach Fachrichtung deutlich über 100 Euro:

In der Radiologie (beispielsweise für eine MRT oder CT) werden im Schnitt rund 268 Euro berechnet. Urologen verlangen im Mittel etwa 237 Euro, Kardiologen rund 211 Euro, Psychiater rund 206 Euro und Gynäkologinnen etwa 202 Euro. Internisten berechnen durchschnittlich 181 Euro, Orthopäden rund 178 Euro und ein Allgemeinmediziner als Wahlarzt rund 108 Euro pro Erstordination. Diese Beträge können je nach Arzt, Spezialisierung und Standort (Wien ist in der Regel teurer als ländliche Gebiete) erheblich variieren.

Wie viel erstattet die Krankenkasse beim Wahlarzt?

Viele Österreicher wissen nicht, dass die gesetzliche Krankenversicherung – also die ÖGK, die SVS oder je nach Berufsstatus der entsprechende Träger – auch bei Wahlarztterminen einen Teil der Kosten zurückerstattet. Die Regelung lautet: Sie erhalten 80 Prozent des sogenannten Kassentarifs zurück. Der Kassentarif ist jener Betrag, den die Kasse für dieselbe Leistung bei einem Vertragsarzt bezahlen würde.

Das klingt zunächst gut – in der Praxis ergibt sich jedoch oft ein anderes Bild. Da die Kassentarife historisch gewachsen und häufig deutlich niedriger als die tatsächlichen Wahlarztpreise sind, erhalten Patienten in der Realität oft nur 10 bis 30 Prozent ihres tatsächlich bezahlten Honorars zurück. Wer also 200 Euro für eine internistische Ordination bezahlt, bekommt über die Krankenkasse oft nur 20 bis 40 Euro zurückerstattet.

Wichtig: Die Erstattung erfolgt ausschließlich für bereits bezahlte Honorarnoten. Seit Juli 2024 sind Wahlärzte, die mehr als 300 Patienten pro Jahr behandeln, verpflichtet, ihre Honorarnoten direkt elektronisch an den zuständigen Sozialversicherungsträger zu übermitteln, was die Abwicklung für Patienten deutlich vereinfacht. Falls Ihr Wahlarzt nicht zur elektronischen Übermittlung verpflichtet ist, können Sie die bezahlte Rechnung selbst online über das Meine SV-Portal oder postalisch bei Ihrer Krankenkasse einreichen.

Lohnt sich eine private Krankenversicherung in Österreich?

Genau an dieser Stelle kommt der finanzielle Aspekt ins Spiel, der für viele Österreicher immer relevanter wird. Eine private Krankenzusatzversicherung – auch „Wahlarztversicherung" genannt – übernimmt jenen Differenzbetrag, den die gesetzliche Kasse nicht abdeckt. Je nach Tarif werden 80 Prozent oder sogar 100 Prozent der Wahlarztrechnung abgedeckt, sodass am Ende kein oder nur ein minimaler Eigenanteil bleibt.

Die monatlichen Prämien für eine solche Zusatzversicherung variieren je nach Einstiegsalter, Vorerkrankungen und Leistungsumfang erheblich. Jüngere und gesunde Personen zahlen häufig zwischen 30 und 80 Euro pro Monat, ältere Personen oder Versicherungsnehmer mit Vorerkrankungen können deutlich höhere Prämien erwarten. Wichtig ist, dass man eine solche Versicherung abschließt, solange man noch jung und gesund ist – denn sobald eine Erkrankung besteht, kann der Versicherer Risikozuschläge erheben oder bestimmte Leistungen ausschließen.

Ob sich eine private Zusatzversicherung lohnt, hängt stark vom individuellen Nutzungsverhalten ab. Wer regelmäßig Fachärzte aufsucht oder Wert auf kurze Wartezeiten legt, für den rechnet sich die Investition oft bereits nach wenigen Arztbesuchen pro Jahr. Für jemanden, der selten zum Arzt geht und bislang immer einen guten Kassenarzt gefunden hat, muss die Rechnung individuell abgewogen werden.

Kassenarzt vs. Wahlarzt: Ein direkter Vergleich

Um die Unterschiede zwischen Kassenarzt und Wahlarzt noch einmal auf den Punkt zu bringen: Der Kassenarzt hat einen Vertrag mit der Österreichischen Gesundheitskasse und rechnet direkt mit ihr ab – für den Patienten entstehen in der Regel keine direkten Kosten (außer eventuellen Selbstbehalten bei bestimmten Leistungen). Der Nachteil sind die oft langen Wartezeiten und die zunehmende Schwierigkeit, überhaupt einen freien Kassenarzt zu finden.

Der Wahlarzt hat keinen Kassenvertrag und legt seine Honorare frei fest. Der Patient bezahlt die Rechnung zunächst selbst und kann sich anschließend 80 Prozent des Kassentarifs von seiner gesetzlichen Versicherung zurückholen. Der Vorteil: deutlich kürzere Wartezeiten, oft mehr Zeit pro Patient und in vielen Fällen modernere Praxisausstattung. Der Nachteil: die erhebliche finanzielle Eigenbelastung, die durch eine private Zusatzversicherung jedoch stark reduziert werden kann.

Was die Politik für 2026 plant: Gesundheitsreform in Österreich

Die österreichische Bundesregierung hat die Kassenarzt-Krise als politisches Schwerpunktthema erkannt. Im Rahmen eines neuen Gesundheitsreformfonds werden bis 2030 jährlich rund 500 Millionen Euro für den Ausbau der niedergelassenen Versorgung bereitgestellt. Ziel ist es, deutlich mehr Primärversorgungseinheiten zu errichten, Kassenstellen attraktiver zu gestalten und durch digitale Lösungen – wie das e-Rezept und erweiterte Online-Terminbuchungssysteme – die Effizienz im System zu steigern.

Die Österreichische Gesundheitskasse und die Ärztekammer haben im Jänner 2026 außerdem eine gemeinsame „Zukunftsvereinbarung e-Health" unterzeichnet, die unter anderem verpflichtende digitale Dokumentationsstandards und verbesserte Diagnosekodierungen vorsieht. Kritiker in der Ärzteschaft befürchten allerdings, dass diese Maßnahmen zunächst zu noch mehr administrativem Aufwand führen könnten, bevor der erhoffte Effizienzgewinn eintritt.

Häufige Fragen zum Thema Kassenarzt in Österreich (FAQ)

Was tun, wenn kein Kassenarzt neue Patienten annimmt? Wenden Sie sich direkt an die zuständige Bezirksstelle der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK). Die ÖGK ist verpflichtet, Ihnen innerhalb zumutbarer Entfernung Zugang zu einem Kassenarzt zu verschaffen. Alternativ können Primärversorgungseinheiten eine gute erste Anlaufstelle sein.

Wie viel erstattet die Kasse beim Wahlarzt? Die gesetzliche Krankenkasse erstattet 80 Prozent des sogenannten Kassentarifs – also jenes Betrages, den sie für dieselbe Leistung bei einem Vertragsarzt zahlen würde. In der Praxis sind das oft nur 10 bis 30 Prozent des tatsächlich bezahlten Wahlarzt-Honorars.

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Wo finde ich freie Kassenärzte in meiner Nähe? Die offizielle Arztsuche der Österreichischen Sozialversicherung finden Sie unter www.sozialversicherung.at, weitere Suchmöglichkeiten bieten die jeweiligen Ärztekammern der Bundesländer sowie das Gesundheitsportal www.gesundheit.gv.at. Das Portal www.docfinder.at bietet zusätzlich Patientenbewertungen und eine direkte Terminanfrage-Funktion.

Kann ich mit einer Überweisung zum Wahlarzt gehen? In Österreich benötigen Sie für den Besuch eines Wahlarztes grundsätzlich keine Überweisung – Sie können direkt einen Termin vereinbaren. Eine Überweisung kann jedoch sinnvoll sein, wenn Ihr Hausarzt spezifische Vorbefunde übermitteln möchte.

Lohnt sich eine private Krankenversicherung in Österreich? Das hängt von Ihrer persönlichen Nutzung medizinischer Leistungen ab. Für Menschen, die regelmäßig Fachärzte aufsuchen, kurze Wartezeiten schätzen oder Wert auf eine umfassendere Versorgung legen, kann eine Wahlarztversicherung wirtschaftlich sinnvoll sein. Je früher man eine solche Versicherung abschließt, desto günstiger sind in der Regel die Prämien.

Fazit: Kassenarzt finden in Österreich 2026

Die Suche nach einem freien Kassenarzt ist im Jahr 2026 in Österreich zu einer echten Herausforderung geworden. Mehr als 300 Kassenstellen sind unbesetzt, jede dritte Praxis nimmt keine neuen Patienten auf, und die Wartezeiten auf einen Facharzttermin beim Kassenarzt betragen im Schnitt 24 Tage – in bestimmten Fachrichtungen sogar über 60 Tage. Die gute Nachricht: Mit den richtigen Anlaufstellen – der offiziellen Arztsuche der ÖGK unter www.sozialversicherung.at, den Ärztekammern oder dem Gesundheitsportal www.gesundheit.gv.at – lassen sich noch freie Kassenärzte finden. Wer darüber hinaus nicht warten möchte, für den kann der Wahlarzt mit einer privaten Zusatzversicherung eine sinnvolle und finanziell tragbare Alternative sein.

Quellen: Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) / sozialversicherung.at, Österreichische Ärztekammer, Gesundheitsportal gesundheit.gv.at, Zukunftsvereinbarung e-Health (Jänner 2026), Kostenreport Wahlarzt 2026 (krankenversichern.at / asscompact.at). Stand: Juni 2026.

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