Messer als Tatwaffe sind in Österreich auch 2024 das häufigste eingesetzte Tatmittel bei Gewaltkriminalität – deutlich häufiger als Schuss- oder Hiebwaffen. Im gesamten Jahr wurden bei angezeigten Gewaltdelikten 2.596 Stichwaffen verwendet, mitgeführt oder deren Einsatz angedroht.
Im Vergleich dazu gab es 352 Fälle mit Schusswaffen und 593 mit Hiebwaffen. Die Messerinzidenz ist damit die dominierende Form von Waffenverletzungen im Zusammenhang mit Körperverletzungs-, Raub- und Morddelikten.
Regionale Unterschiede und Trends
Die Statistiken zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern: Wien, Oberösterreich und Niederösterreich führen die Statistik an, wobei die absolute Zahl der mittels Messer begangenen Straftaten dort am höchsten ist. In Wien wurden 2024 laut polizeilicher Statistik 1.121 Gewaltdelikte mit Stichwaffe (meist Messer) erfasst und auch in Oberösterreich (345 Fälle) und Niederösterreich (273 Fälle) ist die Problematik präsent.
Für Salzburg, Steiermark, Tirol und andere Regionen liegen die Messer-Fallzahlen deutlich unter den urbanen Zentren, was mit soziodemographischen Unterschieden und Ballungseffekten im öffentlichen Raum zusammenhängt.
Auffällig: Besonders viele Messerdelikte geschehen an öffentlichen Orten, beispielsweise Straßen, Bahnhöfen und Parkplätzen, ein Trend, der Schutzmaßnahmen und Präventionsprogramme erforderlich macht.
Jugendkriminalität und Messer
Ein gravierender Trend zeigt sich bei Jugendlichen: Die Messerkriminalität in jungen Altersgruppen ist in den letzten Jahren merklich gestiegen. Speziell die Altersgruppe der 10- bis 14-Jährigen weist eine Verdoppelung der Tatverdächtigen seit 2015 auf, wobei unter den Top-Delikten Körperverletzung und Raub unter Einsatz von Stichwaffen dominieren.
Im Jahr 2024 wurden wiederholt Vorfälle registriert, bei denen Minderjährige Messer mitführten oder einsetzten, vor allem bei Raubüberfällen sowie Konflikten im öffentlichen Raum.
Die Polizei reagiert mit verstärkten Kontrollen und eigens eingerichteten Einsatzgruppen wie der „EJK – Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Jugendkriminalität“, die Hotspots gezielt überwacht und Präventionsmaßnahmen setzt.
Hintergründe und gesellschaftliche Faktoren
Migration und Herkunft
Die Statistik zeigt, dass der Anteil nicht-österreichischer Tatverdächtiger bei Messerkriminalität überproportional hoch ist. Für das Jahr 2024 lag der Ausländeranteil bei allen Tatverdächtigen bei 46,8 Prozent, bei Messerkriminalität sogar darüber.
Die größten Gruppen stammen aus Rumänien, Serbien, Türkei, Syrien und Afghanistan. Dieses Phänomen ist jedoch komplex und steht im engen Zusammenhang mit Sozialstruktur, Integration und Lebensrealität in urbanen Ballungszentren.
Internationale Vergleiche machen deutlich, dass Österreich im europäischen Schnitt weiterhin ein sicheres Land bleibt, Messerkriminalität jedoch wie in anderen Ländern an städtische Hotspots und migrationsbedingte Faktoren gebunden ist.
Prävention und Polizei-Strategien
Österreichs Polizei investiert stark in Prävention: Zu den wichtigsten Maßnahmen gehört die Aufklärung der Bevölkerung durch gezielte Sicherheitstipps, verstärkte Präsenz im öffentlichen Raum und die Kooperation mit Schulen und städtischen Netzwerken. Große Kampagnen sensibilisieren für das Mitführen von Messer und die daraus resultierenden rechtlichen Risiken.
Die Polizei betont: Das Tragen von Messern in der Öffentlichkeit ist strafbar, sofern keine plausible Begründung (z.B. Berufsausübung) vorliegt.
Messerinzidenz im Detail: Zahlen und Statistiken
| Bundesland | Stichwaffendelikte 2024 | Gesamte Gewaltkriminalität | Ratio (%) |
|---|---|---|---|
| Wien | 1.121 | 31.006 | 3,6 |
| Oberösterreich | 345 | 10.531 | 3,3 |
| Niederösterreich | 273 | 10.878 | 2,5 |
| Salzburg | 147 | 5.854 | 2,5 |
| Steiermark | 274 | 10.088 | 2,7 |
Quelle: BMI: Polizeiliche Kriminalstatistik Österreich 2025
Mord- und Raubdelikte mit Messern
Im Jahr 2024 wurden in Österreich insgesamt 76 Mordfälle polizeilich erfasst, davon war bei einem erheblichen Anteil (über 40 Prozent) Messer die Tatwaffe.
Die Zahl der Raubüberfälle mit Messern ist ebenfalls angestiegen, mit 2.450 gemeldeten Fällen im gesamten Jahr – und auch hier sind Messer das gängige Tatmittel, vor allem bei Überfällen in Bahnhöfen, öffentlichen Verkehrsmitteln und belebten Plätzen.
Besorgniserregend ist zudem die hohe Quote an Beziehungstaten: 78,6 Prozent der Morddelikte erfolgen im persönlichen Nahbereich zwischen Opfer und Täter. Häufig werden hierbei Messer in Konfliktsituationen verwendet.
Gesellschaftliche Debatte und Legalisierung
Messer als Alltagsgegenstand – Risiko und Normalisierung
Die Zunahme der Messerkriminalität wirft auch die Frage nach der gesellschaftlichen Akzeptanz und Normalisierung von Messern als Alltagsgegenstand auf. Besteck, Taschenmesser und ähnliche Werkzeuge sind zwar legal, doch das Mitführen von Klingen im öffentlichen Raum ohne plausiblen Grund gilt inzwischen als rechtlich problematisch.
Kampagnen wie „Messer sind kein Schutz!“, die regelmäßig von Polizei und NGOs gestartet werden, sollen das Bewusstsein schärfen und verhindern, dass Messer zum Statussymbol oder Werkzeug in Konfliktlagen werden.
Justiz und Strafverfolgung
Österreich zählt landesweit eine hohe Aufklärungsquote bei Gewaltverbrechen. 2024 lag diese laut Statistik bei 84,6 Prozent für Gewaltdelikte insgesamt, Messerkriminalität eingeschlossen. Die Justiz sieht harte Strafen für derartige Delikte vor, insbesondere bei wiederholten Straftaten oder bei der Verwendung von Messern gegen Leib und Leben.
Die Gerichte unterscheiden jedoch klar zwischen den Delikten: Körperverletzung, schwerer Raub, Mord und fahrlässige Tötung finden sich unter den Messer- und Stichwaffendelikten am häufigsten.
Ausblick: Herausforderungen und Perspektiven
Die Statistik zeigt eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung: Der steigende Anteil von Messerkriminalität ist nicht nur ein Thema für Polizei und Justiz, sondern verlangt gesamtgesellschaftliche Maßnahmen – von Prävention über Integration bis zur urbanen Sicherheitsplanung.
Digitale Medien, Social Media und die damit verbundene Selbstinszenierung Jugendlicher können nach Expertenmeinung als Verstärker für Gewaltverhalten wirken. Polizeistrategien werden daher kontinuierlich angepasst, und Programme für Gewaltprävention in Schulen sowie städteplanerische Maßnahmen (z.B. bessere Beleuchtung und Videoüberwachung an Hotspots) stehen hoch im Kurs.
Empfehlungen der Polizei zum Schutz vor Messerangriffen
- Sich niemals auf Auseinandersetzungen mit Messern einlassen
- Im Gefahrenfall sofort die Situation verlassen und Hilfe rufen
- Besondere Vorsicht an bekannten Hotspots, Bahnhöfen und Parkplätzen
- Öffentliches Tragen von Messern vermeiden; sofort Anzeige erstatten, falls Mitmenschen mit Messern bedroht werden
- Präventionsangebote der Polizei nutzen, z.B. Selbstverteidigungskurse und Sicherheitstrainings
Fazit: Herausforderungen für die Gesellschaft
Die Messerinzidenz in Österreich bleibt ein zentrales Thema, das sowohl rechtliche als auch gesellschaftliche Antworten fordert. Die Zahlen zeigen, dass Präventionsarbeit, Aufklärung und gesellschaftlicher Zusammenhalt die Schlüssel sind, um Gewaltkriminalität und speziell Messerdelikte einzudämmen. Dennoch steht Österreich weiterhin im europäischen Sicherheitsvergleich weit oben, was einer konsequenten Polizei- und Justizarbeit sowie effektiven Präventionsmaßnahmen zu verdanken ist.
Klar ist: Messer sind keine Lösung, sondern ein Sicherheitsrisiko – und die Gesellschaft ist gefordert, mit Engagement und Umsicht darauf zu reagieren, um Kriminalität wirkungsvoll zu begegnen.