Nach monatelangen Diskussionen hat der österreichische Nationalrat am Donnerstag eine neue Regelung der Trinkgeldpauschale beschlossen. Damit wird ein komplexes und uneinheitliches System reformiert, das sowohl Betriebe als auch Mitarbeiter:innen lange verunsichert hat. Die neue Regelung tritt mit 1. Jänner 2026 in Kraft.
Einheitliche Pauschalen für ganz Österreich
Mit dem neuen System werden bundesweit einheitliche Pauschalbeträge eingeführt, die sich nach Branche, Tätigkeit und Arbeitszeit richten. Für Mitarbeiter:innen im Hotel- und Gastgewerbe wurden konkrete Stufen vereinbart: Im Jahr 2026 beträgt die Trinkgeldpauschale 65 Euro für Beschäftigte mit Inkasso und 45 Euro für jene ohne Inkasso. 2027 folgen 85 beziehungsweise 45 Euro, und 2028 schließlich 100 beziehungsweise 50 Euro. Danach ist eine jährliche Indexierung vorgesehen.
Diese Beträge gelten als Obergrenzen. Wer regelmäßig weniger Trinkgeld erhält, muss die Pauschale nicht in Anspruch nehmen. Eine Opting-out-Regelung sorgt dafür, dass das System fair bleibt – insbesondere für Teilzeitkräfte oder Angestellte mit geringem Trinkgeldaufkommen.
Ziel: Schluss mit Nachforderungen und Bürokratie
Laut der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) war das bisherige System „kompliziert, uneinheitlich und ohne Rechtssicherheit“. Immer häufiger kam es zu Nachforderungen durch die Sozialversicherung (ÖGK), insbesondere seit der Zunahme von Kartenzahlungen, die Trinkgelder transparenter machten.
Durch die Pauschalierung sollen nun rückwirkende Prüfungen und strittige Nachzahlungen der Vergangenheit angehören. Auch sogenannte Troncsysteme – also gemeinschaftliche Trinkgeldkassen – werden gesetzlich abgesichert und steuerrechtlich anerkannt.
Reaktionen aus Politik und Wirtschaft
Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) sprach von einem „gerechten und praktikablen Kompromiss“, der sowohl Arbeitnehmer:innen als auch Arbeitgebern zugutekomme. Elisabeth Zehetner (ÖVP) bezeichnete die Einigung als „vertretbare Pauschale“, die mehr Wertschätzung für die Beschäftigten bringe und Rechtssicherheit schaffe.
Während die NEOS die Abgaben auf Trinkgelder grundsätzlich kritisch sehen, zeigen sie sich mit der Lösung dennoch einverstanden. Die Grünen sprechen von einer „einheitlich guten Lösung“. Scharfe Kritik kam hingegen von der FPÖ, die den zusätzlichen Verwaltungsaufwand und die Sozialabgabenpflicht als übertrieben bezeichnete.
WKO: Kompromiss bringt Stabilität für Betriebe
Die Wirtschaftskammer betont, dass trotz ausbleibender völliger Abgabenfreiheit die neue Regelung eine „zukunftsfähige Lösung“ darstellt. Im Mittelpunkt stehen dabei Rechtssicherheit für alle Betriebe, auch bei bereits laufenden Nachforderungen, sowie Transparenz bei unbaren Trinkgeldern und gemeinschaftlichen Verteilungssystemen. Außerdem sollen keine drastischen Erhöhungen der Pauschalbeträge erfolgen, und ab 2029 ist eine regelmäßige Anpassung an die Inflation vorgesehen.
Fazit
Die neue Trinkgeldpauschale schafft endlich Klarheit für Österreichs Gastronomie und Hotellerie. Ab 2026 gelten einheitliche Beträge, klare Regeln und mehr Rechtssicherheit für alle Beteiligten. Der Beschluss gilt als Kompromiss zwischen den Forderungen der Wirtschaft, den Interessen der Arbeitnehmer:innen und der Notwendigkeit, Sozialabgaben transparent zu gestalten.
Für Betriebe bedeutet das vor allem eines: Planungssicherheit und weniger Bürokratie – und für die Mitarbeiter:innen mehr Fairness und Wertschätzung im täglichen Arbeitsalltag.