Österreichs Wirtschaft zeigt leichte Erholung – nach zwei Jahren Rezession und Stagnation wagt das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) vorsichtigen Optimismus. Die Konjunktur nimmt langsam Fahrt auf, doch ein echter Aufschwung bleibt aus. Die Jahre 2020 bis 2030 drohen, zu einem „verlorenen Jahrzehnt“ für die österreichische Wirtschaft zu werden.
Leichtes Wachstum, aber kein Aufschwung
Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll laut Prognose 2025 um 0,3 Prozent und 2026 um 1,1 Prozent wachsen. Nach den Revisionen der Statistik Austria war der wirtschaftliche Einbruch in den Krisenjahren geringer als befürchtet, doch der Realwert des BIP pro Kopf liegt 2025 immer noch mehr als 3 Prozent unter dem Niveau von 2019. Erst 2030 dürfte dieses wieder erreicht werden – das heißt, ein ganzes Jahrzehnt ohne realen Wohlstandszuwachs.
Industrie schwach, Arbeitsmarkt angespannt
Die Rezession in der Industrie scheint zwar überwunden, doch der Sektor hat seit 2022 rund 10 Prozent der realen Wertschöpfung verloren. Für 2025 wird ein Zuwachs von 1,2 Prozent erwartet, was nicht ausreicht, um den Arbeitsmarkt deutlich zu entspannen. Der Industrieanteil am BIP ist von 17,1 Prozent (2019) auf 15,1 Prozent gefallen – mit entsprechenden Arbeitsplatzverlusten.
Inflation bleibt ein Problem
Die Inflation bleibt weiterhin hoch. 2025 soll sie im Jahresdurchschnitt bei 3,5 Prozent liegen, 2026 auf 2,4 Prozent sinken. Damit liegt Österreich weiter über dem Schnitt des Euroraums. Laut WIFO braucht es eine breite Reformpartnerschaft, um die Teuerung nachhaltig unter Kontrolle zu bringen – etwa durch koordinierte Maßnahmen von Staat, Gewerkschaften und Unternehmen.
Budgetdefizit und Schuldenstand kritisch
Die Staatsfinanzen bleiben angespannt. Für 2025 wird ein Budgetdefizit von 4,1 Prozent und für 2026 von 3,9 Prozent des BIP prognostiziert. Der Schuldenstand steigt bis 2026 auf rund 83 Prozent des BIP. Damit liegt Österreich deutlich über den Maastricht-Vorgaben und ist schlecht für mögliche neue Krisen gerüstet.
Langfristiger Trend: schwaches Wachstum
Das WIFO erwartet bis 2030 ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von nur 0,7 bis 0,8 Prozent pro Jahr. Niedrige Investitionen, geringe Produktivitätssteigerungen und eine alternde Bevölkerung belasten die Dynamik. Die Exportwirtschaft kämpft zusätzlich mit steigenden Energiepreisen, hohen Lohnkosten und wachsender Konkurrenz aus Asien.
Strukturelle Reformen gefordert
Um Österreichs Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, fordern die Ökonomen umfassende Reformen: eine Reform der Arbeitslosenversicherung mit Anreizmechanismen, eine Neugestaltung der Grundsteuer sowie eine mögliche Absenkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel, um die Lebenshaltungskosten zu senken. Zudem soll die Bodenwertsteuer nach deutschem Vorbild eingeführt werden, um die Bautätigkeit zu fördern.
Sozialindikatoren stabil, Klimaziele verfehlt
Trotz der schwierigen Wirtschaftslage zeigt sich die Armutsgefährdungsquote leicht rückläufig. Auch die Einkommensungleichheit bleibt weitgehend stabil. Beim Klima hingegen hinkt Österreich hinterher: Die Treibhausgasemissionen sinken nur um 1,8 Prozent und reichen damit bei Weitem nicht, um die nationalen Klimaziele zu erreichen.
Ausblick: Hoffnung, aber kein Selbstläufer
Österreich befindet sich wieder auf einem vorsichtigen Wachstumspfad. Die Wirtschaft hat die Rezession überwunden, die Inflation bleibt jedoch das zentrale Problem. Um langfristig Wohlstand zu sichern, braucht das Land Reformen in den Bereichen Föderalismus, Energie, Pensionen, Bildung und Arbeitsmarkt. Nur mit gemeinsamer Kraftanstrengung kann Österreich wieder zu einem stabilen Wachstum zurückfinden.
Sollte die Arbeitslosigkeit steigern kann sich das auch irgendwann in der Kriminalitätsrate auswirken.
Fazit: Die Prognose zeigt, dass die Talsohle durchschritten ist – doch der Aufstieg bleibt flach. Ohne tiefgreifende Strukturreformen droht Österreich, im internationalen Vergleich weiter zurückzufallen. Die kommenden Jahre werden entscheidend dafür sein, ob das Land den Übergang von der Stagnation zu nachhaltigem Wachstum schafft.